
鶹ý Law School Prof. Dr. Sarah Legner erfolgreich habilitiert
Wir freuen uns, dass unsere geschtzte Kollegin, Frau Professor Dr. Sarah Legner, sich kürzlich mit einer Schrift zur „Gestaltung mehrseitiger Austauschvertrge“ habilitiert hat.

Professor Sarah Legner wurde im Juli 2023 von der Universitt Konstanz die venia legendi für die Fcher Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Europisches Privatrecht verliehen. Wir gratulieren herzlich! Im Interview erzhlt Prof. Legner von ihrer Habilitationsschrift und wie sie ihre breite Expertise 鶹ý Studierenden nher bringen möchte.
鶹ý: Herzlichen Glückwunsch zur Habilitation, Frau Professor Dr. Sarah Legner! Könnten Sie uns einen kurzen Einblick in das zentrale Thema Ihrer Arbeit "Gestaltung mehrseitiger Austauschvertrge" geben und welche Bedeutung dieses Thema in der heutigen rechtlichen Praxis hat?
Prof. Dr. Sarah Legner: Das deutsche Vertragsrecht enthlt im Prinzip nur Vorschriften zu zweiseitigen Vertrgen. Trotzdem steht es jedem frei, mit mehreren Parteien eine vertragliche Verbindung einzugehen. Solche mehrseitigen Vertrge sind bislang nur im Kontext des Gesellschaftsrechts erforscht. Wenn vier Parteien jedoch keine Gesellschaft gründen wollen, sondern z.B. ringherum Grundstücke tauschen wollen, sind die rechtlichen Strukturen weniger klar. Meine Arbeit entwickelt die dogmatischen Strukturen dieser Vertrge und schlgt mit dem mehrseitigen Kooperationsvertrag einen neuen Vertragstyp vor, der in das Bürgerliche Gesetzbuch integriert werden könnte.
Wie mehrseitige Austauschvertrge in die bilaterale Struktur des deutschen und europischen Vertragsrechts passen, ist jüngst vor allem in der Baubranche praktisch relevant werden. In Großbritannien oder in Australien werden komplexe Bauprojekte schon lnger durch mehrseitige Vertrge realisiert. Auch die deutsche Baubranche hat daran zunehmend Interesse. Denn es zeigt sich, dass Streitigkeiten und Verzögerungen bei der Projektrealisierung vermieden werden können, wenn sich die zentralen Beteiligten – Bauherr, Planer und Unternehmer – an einen Tisch setzen und gemeinsam das Vertragsprogramm aushandeln. Schließlich hat das Thema durch die mehrseitigen Geschftsmodelle großer Digitalkonzerne erheblich an Praxisrelevanz gewonnen. Vermittlungsplattformen nehmen beispielsweise Einfluss auf den Inhalt der Vertrge, die Nutzer über ihre Plattform abschließen.
鶹ý: Ihre Habilitation umfasst die Fcher Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Europisches Privatrecht. Wie planen Sie, diese breite Expertise in Ihre Lehrveranstaltungen einzubringen und die Studierenden für diese Rechtsgebiete zu begeistern?
Prof. Dr. Sarah Legner: Ich habe bereits jetzt die Freude, einige meiner Forschungsschwerpunkte in meine Lehrveranstaltungen einbringen zu können. Es ist mir ein Anliegen, den examensrelevanten Stoff nicht losgelöst von sozioökonomischen Zusammenhngen zu prsentieren. Der eine oder andere Blick nach rechts und links hilft oft, das Verstndnis für Regelungszusammenhnge zu schrfen. Hinzu kommt, dass neue europische Rechtsakte die Verbindungen zwischen den Rechtsgebieten gestrkt haben. Das neue Gewhrleistungsregime des digitalen Vertragsrechts lsst sich z.B. besser verstehen, wenn bekannt ist, dass digitale Produkte hufig auch urheberrechtlich geschützt sind.
鶹ý: Die Habilitation ist ein wichtiger Meilenstein in einer akademischen Karriere. Welche Herausforderungen haben Sie whrend des Habilitationsprozesses überwunden und welche Ratschlge würden Sie anderen Nachwuchstalenten geben, die eine hnliche Laufbahn anstreben?
Prof. Dr. Sarah Legner: Die Postdoc-Zeit ist in der Tat eine aufregende Zeit. Als herausfordernd habe ich vor allem die Vielzahl an Aufgaben empfunden, mit denen Nachwuchswissenschaftler:innen befasst sind. Es gilt, sein Forschungsprofil zu schrfen, Lehrerfahrung zu sammeln, im besten Fall erste Drittmittel einzuwerben und Kontakte zu knüpfen. Einen wichtigen Ratschlag hat mir mein akademischer Lehrer Prof. Dr. Jochen Glöckner, LL.M. (USA), gleich zu Beginn meiner Postdoc-Zeit gegeben: Die Habilschrift ist das wichtigste und größte Unterfangen, das es nie aus dem Blick zu verlieren gilt. Darüber hinaus finde ich es wichtig, seinen ehrlichen Interessen zu folgen. Die Forschungsschwerpunkte, die in der Habilphase gewhlt werden, bestimmen nicht selten, womit man sich die nchsten Jahrzehnte befassen wird.
鶹ý: Die Universitt Konstanz hat Ihnen die venia legendi für mehrere Fcher verliehen. Welche Möglichkeiten sehen Sie, durch intradisziplinre Anstze Synergien zwischen den verschiedenen Fachgebieten zu schaffen?
Prof. Dr. Sarah Legner: Tatschlich haben die jüngsten Rechtsentwicklungen neue Überschneidungen zwischen Vertrags-, Verbraucher- und Wirtschaftsrecht geschaffen. Gerade die Herausforderungen der Digitalisierung verlangen danach, Friktionen zwischen den einzelnen Rechtsgebieten mehr Beachtung zu schenken. Das ist mir aktuell zum Beispiel im Bereich von Verbraucher- und Urheberrecht ein Anliegen. Zudem finde ich es spannend, hnliche Entwicklungen in ganz verschiedenen Rechtsgebieten zu verfolgen. Infolge des Klimawandels wird im Kartellrecht etwa gefordert, verhaltensökonomischen Erkenntnisse zum Verbraucherverhalten mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wenn die Auswirkungen von Wettbewerbsbeschrnkungen ermittelt werden. Das Verbraucherrecht ist an dieser Stelle schon weiter. Bei der Gestaltung von Informationspflichten anerkannt der Unionsgesetzgeber z.B., dass die Kapazitt der Verbraucher, Informationen zu verarbeiten, an Grenzen stoßen kann.
鶹ý: Als junge Professorin haben Sie sicherlich eine Vision für Ihre zukünftige akademische Arbeit. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt und wie möchten Sie zu den Entwicklungen im Bereich des Bürgerlichen Rechts, Wirtschaftsrechts und Europischen Privatrechts beitragen?
Prof. Dr. Sarah Legner: Mein Ziel ist es, mein Forschungsprofil in den kommenden Jahren weiter zu schrfen. Zum einen will ich mich dem Kartellrecht – das Rechtsgebiet, in dem ich promoviert habe, – wieder mehr zuwenden. Der Schutz des freien Wettbewerbs wird aktuell vielfltig herausfordert, sei es durch Techgiganten, Wettbewerbsbeschrnkungen unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit oder Tendenzen zur Deglobalisierung. Zum anderen ist es mir ein Anliegen, Verbraucherrisiken in der digitalen Wirtschaft nher zu untersuchen. Schließlich will ich meine internationale Ausrichtung strken. Letzte Woche konnte ich z.B. auf der International Association of Consumer Law Conference sprechen und habe großartige Verbraucherrechtlicher:innen aus der ganzen Welt getroffen.
Vielen Dank für das Interview!







